Vom Stimmengewirr, ewigen To-Dos und der Fürsorgepflicht

Es gibt mich noch. Die letzten Wochen und Monate waren hier sehr still. Hier im Haus allerdings nicht. Es war lauter denn je. Im Haus sowie in meinem Kopf. Einerseits durch die anwesenden Kinder, andererseits durch die Stimmen in meinem Kopf: Du musst dies tun, du musst jenes tun, du darfst dies nicht vergessen, du darfst jenes nicht vergessen. An dem Tag ist jenes zu tun, an Tag X musst du mit Y fertig sein. Du hast schon lange nicht mehr xy gemacht, das solltest du mal wieder tun, nein, du musst es mal wieder tun… All diese Gedankengänge spielten sich tagtäglich (und auch gegenwärtig) in meinem Kopf ab, vorzugsweise abends, wenn ich schlafen gehen wollte oder will. Das ist nicht sonderlich hilfreich, wenn es schon spät abends ist, der Wecker wieder früh klingelt und mein Kopf so laut ist. Sollte mein Kopf irgendwann doch mal Ruhe geben und ich langsam in den Schlaf finden, so ist mit Sicherheit eines meiner Kinder der Meinung ausgerechnet in diesem Moment wach zu werden. Ein Alptraum. Beinschmerzen. Durst. Was auch immer. Vor kurzem wurde mein Sohn, 40 Minuten bevor mein Wecker klingeln sollte, wach und weckte mich, um mit ihm zu kuscheln… Schlafmangel also auf gesamter Linie. Das sieht man mir mittlerweile auch sehr gut an. Dieser extreme Schlafmangel führt alles andere als zur Produktivität. Ganz im Gegenteil…

Ich weiß noch genau, wie ich mit meinem Mann mal zu einer Kabarettvorstellung gefahren bin. Die Vorstellung ging bis spät abends und weil mein Mann am nächsten Tag früh morgens wieder arbeiten musste, mussten wir die Wegstrecke von fast drei Stunden anschließend noch zurücklegen. Trotz mehrerer koffeinlastiger Getränke merkten wir beide, wie wir zunehmend an Konzentrationsfähigkeit verloren. So fuhren wir im Dunkeln und hatten Fernlicht an. Als Gegenverkehr aufkam, war ich irgendwann nur noch in der Lage zu merken, oh, da kommt Gegenverkehr… Oh, ich müsste das Fernlicht ausmachen… Oh, dafür muss ich meine Hand zum Schalter bewegen…

So in etwa fühle ich mich seit geraumer Zeit. Neben Haushalt, Kindern und Tageskindern gibt es noch allerhand andere Dinge, die ich erledigen und in Angriff nehmen müsste. Die Liste wird immer länger und mein Kopf raucht. Zufrieden bin ich schon lange nicht mehr, weil ich permanent das Gefühl habe, nichts von dem zu erreichen, was ich erreichen müsste. Ich schaffe es einfach nicht. Selbst die einfachsten Dinge werden für mich zur Herausforderung…

Gerade in solchen Zeiten ist die Selbstfürsorge wahnsinnig wichtig. Denn wenn meine Akkus nicht gut aufgeladen sind, sorgt dies für noch mehr Unwohlsein. Doch schrieb ich schon in „Ärger, Neid und das Verlangen etwas für sich selbst zu tun…“, dass mir das schon immer schwerfällt. Meine Freundin hat nun schon lange mitverfolgt, wie meine psychische Verfassung langsam, aber sicher immer tiefer die Kellertreppe hinabsteigt und tut das, was ich nicht schaffe: Fürsorge. Neben dem Rat, an oberster Stelle meiner To-Do-Liste Dinge für mich selbst aufzuschreiben, hat sie mir bei ihrem letzten Besuch, heimlich liebe Botschaften in meinem Kalender versteckt und mir liebevolle Briefe mit Selbstfürsorgetipps geschrieben. Ich bin so dankbar, sie zu haben.

Leider haben nicht alle Menschen solch ein Glück, eine so tolle Freundin zu haben, die für einen sorgt, wenn es besonders stürmisch ist. Darum, ihr lieben Mamas und Papas da draußen, die ihr eine schwierige Phase durchmacht: Denkt auch an euch! Tut euch etwas Gutes! Sorgt für euch selbst! Um eurer selbst Willen, aber auch um eurer Kinder Willen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close