Spagat zwischen Tagesmutter und Mutter

Lange habe ich es nicht mehr geschafft etwas zu schreiben. Ich schaue die Registrierkarte „Blogbeiträge“ an und stelle fest, im Monat Mai habe ich es tatsächlich kein einziges Mal geschafft, einen Artikel zu schreiben. Auch die letzten Monate sind sehr dünn mit Artikeln von mir bestückt. Dabei gab es gerade im letzten Monat so einige Gedanken und Situationen, die ich gern verschriftlicht hätte, doch das liebe Töchterlein hatte wohl etwas dagegen. Allein gestern lag ich über zwei Stunden neben ihr, wohl wartend, dass sie endlich tief und fest schläft, sodass ich mich aus dem Zimmer schleichen kann und jedes Mal, wenn ich der Meinung war, nun kann ich es versuchen, ist sie wieder weinend wach geworden und wir mussten von vorne beginnen. Oftmals denke ich mir an solchen Abenden, es wäre so viel einfacher, wenn ich mich einfach von Anfang an damit abfinden würde, abends gleich bei ihr liegen zu bleiben. Damit ich eben nicht immer so frustriert bin, wenn ich mal wieder nicht das Schlafzimmer verlassen kann. Doch das Abfinden fällt mir schwer. Der Abend ist die einzige Zeit des Tages, in der ich Zeit für mich haben kann. Zwar nicht bedingungslos, weil ich doch abrufbereit sein muss, immer wieder damit rechnen muss, dass Töchterchen mich braucht…

Und doch ist es die Zeit, in der ich mal etwas lesen kann, mal einen Artikel schreiben kann, in der ich mal einfach ohne Kinder ich sein kann. Dementsprechend bin ich also mehr als frustriert, wenn ich mich nicht aus dem Schlafzimmer schleichen kann oder – was fast noch schlimmer ist – ich nach lediglich fünf Minuten wieder zurück in das Schlafzimmer rennen muss, weil durch das Babyphone wieder theatralisches Weinen zu hören ist. In diesen mir gegönnten fünf Minuten habe ich meist nur hauswirtschaftliche Dinge erledigt und somit steigt meine Enttäuschung darüber, mal wieder keine Zeit für mich gehabt zu haben.

Doch nun sitze ich tatsächlich wieder am Laptop. Zwar völlig erschöpft, denn trotz Corona-Einschränkungen in Kitas und Schulen dürfen Kindertagespflegepersonen wieder in Normalbetrieb Kinder betreuen. Das hat für mich bedeutet, dass ich zwei Wochen Eingewöhnung mit meinen eigenen Kindern hinter mich gebracht habe und nun die dritte Woche komplett fremde Kinder betreue, während meine eigenen drei Kinder auch zu Hause sind und oftmals nicht darüber erfreut sind, dass ich mich den anderen Kindern mehr zuwende, als ihnen. Und das tut mir wahnsinnig leid. Geplant war das so nicht. Geplant war, dass meine großen Jungs selbst im Kindergarten sind, während ich mit Töchterchen die kleinen Kinder hier betreue. Doch aufgrund der vorherrschenden Einschränkungen müssen die Jungs weiterhin zu Hause bleiben und sind eben die Großen, die sich auch schon mal längere Zeit alleine beschäftigen können, die sich auch selbst mal etwas aus dem Kühlschrank zu essen nehmen können, die auch mal warten können, die eben jetzt doch so viel zurück stecken müssen, trotz dass ihre Mutter vor Ort ist. Und das tut mir im Herzen weh. Seit drei Wochen bringe ich die Kinder abends ins Bett und frage mich, war ich genügend präsent? Habe ich genügend vermittelt, dass ich für sie da bin und sie liebe? Konnte ich genügend intensive Zeit mit ihnen verbringen? Oftmals verneine ich persönlich die Fragen. Ich kann es mir selbst nicht vorstellen. Frage ich die Jungs am Abend zu unserer Zu-Bett-Geh-Routine, was ihnen nicht gefallen hat und was sie am schönsten fanden, sagen sie – zu meiner Freude – häufig doch ein Erlebnis, das ihnen freudig im Gedächtnis geblieben ist. Und, als würden sie es spüren, wenn mich das schlechte Gewissen besonders plagt, sagen sie aus dem heiteren Himmel heraus, wie sehr sie mich lieben und das ich die tollste Mama sei, die es gibt. Trotz des schlechten Gewissens und dem Gefühl zwischen dem Spagat zwischen Tagesmutter und richtiger Mutter zu scheitern, schmilzt mein Herz in diesen Momenten dahin. Bis ein normaler Betrieb vielleicht irgendwann wieder beginnt, versuche ich an diesen Momenten zu zehren und Kraft aufzutanken…

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