Zerrissen

In den letzten Tagen fühle ich mich extrem zerrissen. Zerrissen zwischen dem Wunsch, all meinen Kindern gerecht zu werden und der radikalen Realität. Wie soll das auch gehen? Wie soll ich allein meine drei Kindern gerecht werden, wovon eines ein chronisch übermüdetes und daher dauerhaft unzufriedenes Baby ist, welches allein schon meine ganze Aufmerksamkeit bräuchte…

Das nächste Kind sitzt plötzlich morgens am Frühstückstisch kreidebleich auf seinem Platz und klagt über Bauchschmerzen, will kaum etwas essen und schläft irgendwann im Laufe des Tages auf dem Sofa ein – und das obwohl schon über ein Jahr (zu meinem Leidwesen) hier kein Mittagsschlaf mehr gehalten wird…

Der Zustand meines Sohnes verbessert sich nicht und er ist abends mehr als froh, als er endlich ins Bett gehen und nur noch schlafen kann… Irgendwann in der Nacht wird er wach und weint vor Angst. Zur Toilette muss er auch und spätestens da weiß ich dann auch, woher die Bauchschmerzen kommen. Mein Verdacht bestätigt sich, als ich am nächsten Morgen in der Kita anrufe und die Jungs entschuldige: In der Kita geht Magen-Darm rum.

Nun heißt es einen weiteren Tag herum zu kriegen. Mit krankem Kind, chronisch übermüdeten und daher unzufriedenem Baby und einem kleinen Jungen in der Wackelzahnpubertät. Eine Herausforderung, die schon ohne Krankheit gut an den Kräften zehrt. Eine Herausforderung, die mich als chronisch übermüdete Mutter immer wieder an meine Belastungsgrenze und darüber hinaus bringt…

Ich fühle mich so unglaublich zerrissen. Ich liebe meine Kinder, alle drei, so, wie sie sind und ich kann mir durchaus noch weitere Kinder vorstellen. Doch in diesen Momenten, in denen ich das Gefühl habe, keinem meiner kleinen Sprösslinge gerecht zu werden, da sehne ich mich nach den Momenten, in denen ich allein mit meinem ersten Kind war. Wo ich die Ruhe und Zeit hatte, mich ausgiebig, intensiv und ganz allein nur um das eine kranke Kind kümmern zu können. Wo wir stundenlang zusammen kuschelnd auf dem Sofa lagen, mal lasen, mal schliefen und das kranke Würmchen kaum allein liegen musste…

Doch das gibt es nun nicht mehr. Nun sind da auch noch zwei andere Kinder, die Aufmerksamkeit brauchen… Krank hin oder her, das Baby muss gestillt werden, der große Sohnemann hat zwischendurch auch mal Hunger oder das Bedürfnis nach Kuscheleinheiten und ich wage zu behaupten, dass gerade er es ist, der am meisten zu kurz kommt, eben weil er der Älteste ist und doch immer so viel Verständnis aufbringen soll…

Vielleicht ist gerade das auch der Grund, warum ich mich so zerrissen fühle. Warum ich gerade ihn so oft so traurig anschauen muss und an unsere kurze intensive Zweisamkeit denken muss…

2 Kommentare zu „Zerrissen

  1. Geschwister sind das nackte Grauen! Das denkt dein Ältester vermutlich jede Stunde des Tages. Ich war eine Älteste, und ich habe es erst nach Jahrzehnten den „Schuldigen“ verziehen🙂Die Kleinen kriegen immer alles, die sind immer die Stärkeren, denn denen eilt Mami sofort zu Hilfe, egal ob sie im Recht sind oder nicht! Und wie kommt sie darauf, dass ich das „verstehen“ soll? Ich bin doch auch klein! Habe ich versagt, dass ich ihr nicht genug war? Warum muss ich immer etwas Außerordentliches TUN, damit Mami mich beachtet? Die Kleinen brauchen nichts zu TUN, es reicht, wenn sie DA sind!! (Das sind die Gefühle des ältesten Kindes!)
    Ich habe absichtlich nur ein Kind gekriegt, ich glaube, das war eine gute Idee…
    Ja, als Mami hat man es mit dreien sicher schwer, und wenigstens EINER der drei sollte jeweils auch mal ruhig sein, keine Probleme haben, sich selbst beschäftigen… Ich verstehe heute auch das Dilemma der Mama.

    Liken

    1. Hallo amanita!
      Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich lese aus deinen Zeilen sehr viel Schmerz… Das tut mir leid! Auch ich kenne es als große Schwester zurück stecken zu müssen und eifersüchtig auf das Nesthäkchen zu sein, allerdings habe ich dies damals wie heute als nicht so einschneidend empfunden, wie ich es aus deinen Zeilen heraus lese. Aber gerade weil ich selbst weiß, wie schnell Neid auf die Geschwister auskommen kann, bemühe ich mich sehr, jedem Kind exklusive Zeit zukommen zu lassen, sodass wir ungestört Zeit nur für uns haben… 

      Liebe Grüße, Anika 

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close