Vom mütterlichen schlechtem Gewissen

Heute Morgen war es schon komisch. Mein mittlerer Sohn sagte schon beim Frühstück, er habe Kopfschmerzen, was untypisch für ihn ist. Nach der Nacht dachte ich zunächst daran, dass er Flüssigkeit bräuchte und hielt ihn dazu an, mehr zu trinken. Das hat er auch getan, besser wurde es zunächst aber leider nicht. In der Kita angekommen, sagte ich gleich seinen Erzieherinnen Bescheid und stellte mich innerlich tatsächlich schon darauf ein, im Laufe des Tages einen Anruf zu erhalten, dass ich ihn früher abholen müsse. Dem war zwar nicht so, doch als ich zur gewohnten Zeit in der Kita ankam, wurde mir mein Sohn entgegen getragen: Er hatte tatsächlich Fieber bekommen. Er sei so erschöpft gewesen, dass er im hellen, lauten Gruppenraum einfach so eingeschlafen sei (er schläft sonst tagsüber nie). Seine glühenden Fieberwangen sprachen auch eine eindeutige Sprache. Schade, denn eigentlich hatten wir uns für heute mit seiner Kindergartenfreundin zum Spielen verabredet. Das mussten wir nun verschieben.

Es ging also direkt nach Hause. Sohnemann hielt sich wacker wach. Auch zu Hause vermied er es zunächst zur Ruhe zu kommen. Er spielte kurz, las dann mit mir ein Buch, um weiter zu spielen, doch irgendwann siegte das Fieber und er schlief erschöpft ein. Eigentlich wollte er mit mir kuscheln und ich hätte ihm nur zu gerne seinen Wunsch erfüllt, doch seine kleine Schwester war auch unglaublich müde und wollte nur noch ins Tragetuch zum stillen und schlafen. Das Angebot vom Papa, mit ihm zu kuscheln, wollte er aber auch nicht annehmen… Also blieb er allein auf dem Sofa…

Als Töchterchen auch endlich schlief, schlich ich mich zum kranken Sohnemann und streichelte ihm sanft die Haare aus dem Gesicht. Das schlechte Gewissen machte sich breit: Als Mutter von nur einem Kind kümmerst du dich liebevoll und intensiv um dein krankes Kind. Stundenlang wird ausgiebig gekuschelt und ein Buch nach dem anderen gelesen. Beim zweiten Kind ist das schon nicht mehr so einfach, schließlich ist da immer noch ein weiteres Kind, das Aufmerksamkeit benötigt und Bedürfnisse hat. Nun, beim dritten Kind fühle ich mich wie eine Rabenmutter. Mein krankes Kind möchte nur mit mir kuscheln, doch ich muss mich darum kümmern, dass seine übermüdete Schwester endlich einschläft. Sohnemann bleibt also allein auf dem Sofa zurück. Und der Große ist ja auch noch da… Zum Glück hat er spontan Besuch vom Nachbarsjungen bekommen und ist schwer beschäftigt, andernfalls hätte mich mein schlechtes Gewissen sicherlich noch mehr gepiesackt.

Das schlechte Gewissen hat sich mittlerweile komplett ausgebreitet. Ich liege mittlerweile im Familienbett: Auf der einen Seite der Große mit dem zur Zeit dauerstillenden Töchterchen und auf der anderen Seite mein fiebernder Sohn. Alle drei brauchen Mama… Auch der Große benötigt meine Zuwendung noch intensiv und kommt doch gerade aufgrund seiner Größe viel zu oft viel zu kurz. Töchterlein dagegen holt sich die Liebe und Zuwendung vor allem durch das Dauerstillen. Mein mittlerer Sohn schafft sich durchaus immer mal wieder Phasen zum Mamatanken, doch in Zeiten von Krankheit bleibt bei mir das Gefühl, den Kindern nicht im geringsten gerecht werden zu können und das fühlt sich furchtbar an…

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