Time is long but life is short* Teil II

* Zitat von Stevie Wonder

Meine Gefühle überrollten mich also. Die Achterbahnfahrt solcher Gefühlswellen kannte ich zwar schon, dennoch überrennen sie mich selbst heute noch immer wieder massiv.

Mir wurde bewusst, dass ich niemals mehr die Möglichkeit haben würde, Kontakt zu meinem Vater aufzunehmen, Dinge zu klären, sich zu versöhnen… Sein Tod war endgültig und das wurde mir nun schmerzhaft bewusst. Doch, wie bereits erwähnt, hatte ich keine Zeit, mich damit wirklich auseinander zu setzen, wirklich zu trauern. Ich musste mich um die Beerdigung und alles drum herum kümmern und das war einiges.

Zunächst einmal musste ich einen Termin beim Bestattungsunternehmen machen, welches den Leichnam meines Vaters abgeholt hatte. Dann fuhr ich zu meiner lieben Oma, um vor Ort alles regeln zu können. Zum Glück begleitete mich damals meine Mutter, denn spätestens beim Bestattungsunternehmen kam ich an meine emotionale Grenze: Es musste natürlich geklärt werden, wie die Bestattung auszusehen habe. Weil ich als junge Studentin wenig Geld hatte, aber als einzige Verwandte für die Kosten der Bestattung zuständig war, wollte das Unternehmen alles so kostengünstig wie möglich ausrichten. Das war nett und sicherlich auch vernünftig, doch es bedeutete auch, keine Möglichkeit zu haben, mich von meinem Vater offiziell zu verabschieden. Er würde eingeäschert und dann auf der sogenannten grünen Wiese beigesetzt werden. Wann? Nun, das wisse man nicht. Wenn ich allerdings die Rechnung vom Krematorium bekäme, dann sei mein Vater beigesetzt worden…

So hatte ich mir die Beerdigung meines Vaters nicht vorgestellt. War das nun überhaupt noch eine Beerdigung? Ich wünschte mir zum einen für mich selbst eine akzeptable Möglichkeit, mich von meinem Vater verabschieden zu können, zum anderen aber auch für meinen Vater eine annehmbare Beerdigung und kein „Verscharren in einer Nacht- und Nebelaktion“… Ich wollte uns beiden eine ehrwürdige Beisetzung ermöglichen, denn der Besuch einer Beerdigung ist häufig der erste große Schritt, um Abschied zu nehmen, um zu realisieren, dass diese Person nun nicht mehr da ist. Doch diese Möglichkeit blieb mir leider verwehrt… Dieser Umstand macht mich auch heute noch wahnsinnig traurig…

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