Blick für das Positive

Wenn ich meine beiden Söhne anschaue, wie schön sie miteinander spielen und ihre Zeit gemeinsam verbringen, freue ich mich wahnsinnig und ich bin mächtig stolz. Stolz auf sie, dass sie so toll miteinander spielen. Stolz auf mich, dass ich zwei so wundervolle Wesen auf die Welt gebracht und erzogen habe.

Doch im nächsten Augenblick kippt die Stimmung. Der Kleine will nicht das machen, was der Große befiehlt, der Große wird wütend, schreit, der Kleine schreit zurück, was dem Großen widerum zu laut ist und schon weinen beide Jungs. Ich möchte auch schreien. So etwas wie „Könnt ihr nicht einmal in Ruhe zusammen spielen?!“ „Müsst ihr euch denn immer streiten?!“ Doch ich reiße mich zusammen. Immerhin haben die beiden gerade noch friedlich und glücklich miteinander gespielt.

Das Positive verlieren wir leider viel zu häufig aus den Augen und konzentrieren uns dann wesentlich stärker auf das Negative: schreien, Schimpfwörter, Quatsch machen… Sicherlich ärgert uns das und sicherlich möchten wir gern, dass gerade das aufhört oder zumindest weniger wird, doch den Blick für die positiven Dinge, den sollten wir gerade in solchen Situationen verstärken… In meinem Fall wäre dies das gemeinsame Spiel, das dem Streit vorausging.

Häufig reicht das aber noch nicht aus, dann rufe ich mir ins Gedächtnis, dass die beiden doch deutlich mehr können, als sich nur zu streiten, oder ich gehe in mich und lasse den Tag revue passieren: Sie haben sich heute morgen wieder mal beeilt, weil wir zu spät dran waren, sie haben sich selbst angezogen, sie haben mir mit ihrer kleinen Schwester geholfen: ihr Spielzeug gegeben, sie bespaßt, auf sie „aufgepasst“… Sie helfen beim Tisch decken und abräumen, heben mir häufig Dinge vom Fußboden auf, wenn ich ihr Schwesterlein im Tragetuch habe und mich nicht so gut bücken kann, sie zeigen so viel Verständnis, wenn sie mal wieder zurück stecken müssen, weil ihre kleine Schwester die Aufmerksamkeit benötigt…

Ja, diese Streiterein sind kräftezehrend – an manchen Tagen mehr als an anderen Tagen. Sie verlangen viel von mir ab, wie ich es bereits in Geschwisterliebe – oder einer schreit immer beschrieben habe. Und leider passiert es mir viel zu oft, dass ich doch etwas sage, was ich im nächsten Moment bereue, weil es eben genau auf die gerade entstandene negative Situation abzielt. Weil ich die davor so vielen positiven Situationen kommentarlos verstrichen lassen habe, obwohl ich schon da hätte sagen können, wie toll ich es finde, dass die beiden so schön miteinander spielen. Dass ich stolz auf sie bin, dass sie sich so lange alleine beschäften können, weil ich mal wieder nicht für sie da sein kann… Wir loben unsere Kinder viel zu selten! Das wird mir in solchen Momenten immer wieder bewusst!

Aufgrund von meinen Erfahrungen, meinem eigenen Selbstwert und dem, was ich bisher alles erlebt habe, habe ich einen Hang zum Negativen. Mein Mann sagt durchaus, ich bin eine hoffnungslose Pessimisstin, womit er absolut recht hat. Doch im Hinblick auf meine Kinder möchte ich das vermeiden. Ich möchte sie nicht ständig kritisieren und den negativen Situationen mehr Beachtung schenken, als den positiven. Ich möchte, dass sie zu selbstbewussten optimistischen Menschen heranwachsen, die an das Gute im Menschen glauben und keine Scheu haben, andere Menschen zu loben, zu sagen, was ihnen gefällt und auch mal nicht gefällt.

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