Stressfrei B(r)eikost?

Ich erinnere mich noch genau, wie mein erster Sohn gierig schaute, wenn er sah, wie mein Mann und ich aßen. Das gemeinsame Essen fiel uns seit seiner Geburt schwer. Obwohl, wenn ich erhlich bin, ist das doch etwas untertrieben: Es war schlichtweg nicht möglich. Einer aß, der andere kümmerte sich um das schreiende Bündel. Mit Beginn des Breis wurde dies auch nicht besser. Brei füttern ist eine Mammutaufgabe in meinen Augen. Allein das Kochen war schon eine Herausforderung: Wann soll man das machen, wenn Sohnemann so viel weint und immer auf dem Arm sein will? So kochte ich häufig mit einer Hand – in der andern war mein Sohn. Portionsweise habe ich alles eingefroren. Mit dem Kleinschneiden, kochen, pürieren und anschließendem portionieren war ich lange beschäftigt, geschweige denn mit dem von mir besuchten Kurs „Einführung in die Breikost“. Schließlich wollte ich, eine Meisterin der Breikost sein… Die liebevolle Hingabe zahlte sich aber nicht aus. Mein Sohn mochte keinen Brei. Egal wie oft, egal mit was ich es versuchte, es ging nichts in ihn hinein. Frust machte sich breit. Da stand ich also stundenlang in der Küche und wofür? Für nichts…

Durch Zufall kam ich auf BLW: Baby led weaning. Frei übersetzt: Vom Baby gesteuertes Abstillen. Hierbei dürfen die Kleinsten direkt am Familientisch mitessen. Kein Breigekoche. Kein Frust. Die Familie sitzt gemeinsam am Tisch – zu jeder Mahlzeit – und das Baby bekommt das, was Mama und Papa auch essen. Natürlich Babygerecht. Das bedeutet vor allem salzarm und hartes Gemüse wie z. B. Möhren müssen gedünstet werden. Ich las mich intensiv in die Thematik ein und lies es auf einen Versuch bei meinem Sohn ankommen. Und es klappte. Er aß mit Freude, experimentierte und mein Mann und ich konnten endlich wieder gemeinsam ohne Stress essen. Diese Form der Beikost hat neben den – für mich – deutlich entspannteren Weg einen weiteren positiven Effekt: Das Kind schult seine motorischen Fähigkeiten und sieht, riecht und schmeckt die verschiedensten Lebensmittel in seiner Ursprungsform. Natürlich sieht der Essensplatz und alles in näherer Umgebung hinterher wie ein Schlachtfeld aus, doch mit einigen Tricks lässt sich die Arbeit eindämmen und ist in meinen Augen immer noch weniger aufwändig, als der frustrierte Stress beim Brei zubereiten. (Gläschen kamen für mich persönlich nie in Frage.)

Als mein zweiter Sohn ins Beikostalter kam, war für meinen Mann und mich klar, dass wir wieder BLW praktizieren würden. Dass er dafür schneller bereit war, als mir lieb war, zeigte er deutlich eines Abends, als wir zu Abend aßen, er auf meinem Schoß saß und sich mit dem Löffel zum Spielen absolut nicht mehr zufriedengab: Er weinte und hörte erst auf, als er endlich einen Gurkenstick in der Hand hielt.

Nun ist das Töchterlein auch fast 7 Monate alt. Zeit, um auch sie langsam an das Essen heranzuführen. Einerseits ist es für mich ein schönes Erlebnis: Ein weiterer Meilenstein, den sie in ihrer Entwicklung meistert. Doch andererseits sehe ich dies auch mit einem weinenden Auge: Sie ist auf dem Weg, ein Kleinkind zu werden, wächst langsam aus dem Babyalter heraus.

Das gehört zum Leben, werden die meisten sagen. Und sie haben recht. Doch mir, mit meiner Krankheit, fällt es besonders schwer loszulassen. Das muss ich immer wieder lernen auszuhalten, mit jedem neuen Entwicklungsschritt meiner Kinder…

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