Vom Loslassen (können)

Das neue Kindergartenjahr hat begonnen und für viele kleine Menschen, sowie deren Eltern beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Die Krippe oder der Kindergarten. Die Kinder müssen sich nun erstmals länger von ihren engsten Bezugspersonen trennen und auch die Eltern müssen ihre Kinder erstmals für längere Zeit in fremde Hände geben. Oftmals ist dies kein leichtes Unterfangen, denn häufig müssen viele Hürden dabei gemeistert werden.

In manchen Regionen ist es beispielsweise schon sehr schwierig, überhaupt einen Platz in einer Einrichtung zu ergattern – manchmal muss man sein Kind schon auf die Warteliste setzen, da ist es noch gar nicht geboren (wie abstrus!). Dann möchte man als Eltern natürlich eine gute Einrichtung finden, eine bei der man kein schlechtes Gefühl hat, wenn sein kleines Würmchen mehrere Stunden am Tag dort bleiben muss. Aber auch das kann manchmal schwer sein, wenn die Wartelisten der Einrichtungen lang sind und man letztlich einen Kindergartenplatz bekommt, mit dem man nicht ganz so zufrieden ist.

So erging es auch einer Freundin von mir. In ihrem Wunschkindergarten hat sie keinen Platz bekommen und musste notgedrungen einen Platz in einem Kindergarten annehmen, bei dem sie schon nach wenigen Malen kein gutes Gefühl mehr hatte. Mehr noch: Nachdem die Eingewöhnung nicht gut verlief und ihr nahe gelegt wurde, ihren Sohn einfach dort zu lassen – obwohl er in der Gruppe niemals von seiner Mutter wich –, war sie kurz davor, alles wieder abzubrechen. Nach einigen Gesprächen und Änderungen gelang die Eingewöhnung dann doch noch, wenn auch mehr schlecht als recht.  

Dem Kindergarten steht sie – ebenso wie ich nach ihren Erzählungen – weiterhin sehr kritisch gegenüber. Grund dafür ist unter anderem der Beginn des neuen Kindergartenjahres und der Eingewöhnung der nun neuen Kinder. So ist es ihr nun schon mehrfach passiert, dass sie ein sehr aufgelöstes, weinendes Kleinkind sah, als sie ihren Sohn in seine Gruppe brachte, welches weder von seiner Mutter, noch von einer Erzieherin begleitet wurde und selbst nach 10 Minuten immer noch alleine weinend im Kindergarten umher lief. So in etwa hätte es auch mit ihrem Sohn laufen können, als ihr geraten wurde, diesen einfach dort zu lassen …

Doch warum? Warum wurde ihr dies nahegelegt? Warum wird dies anscheinend so praktiziert? Die Eingewöhnung ist doch schließlich dafür da, dass sich die Kinder an die neue Umgebung und vor allem an die neuen Menschen gewöhnen, eine Beziehung und Vertrauen aufbauen können, damit sie sich sicher fühlen und gewiss sein können, dass ihnen dort nichts passiert, selbst wenn die Bezugspersonen weggehen. Viele ältere Menschen werden vielleicht einwenden, dass es früher eben auch immer so gemacht wurde und dies „uns“ auch nicht geschadet hat, doch mit Blick auf Bindungstheorien ist dies äußerst fragwürdig…

„Ahnert beobachtete die Kinder zu Hause, in den Tagen, bevor sie in die Krippe kamen, und erlebte sie quietschvergnügt und gesund. Wenige Wochen nach Beginn der Fremdbetreuung aber wurden die gleichen Kinder wieder und wieder krank. Als Ahnert am Ende psychosomatische Gründe für die häufigen Erkrankungen verantwortlich machte, gehörte nicht wenig Mut dazu, diese Ergebnisse auch öffentlich zu verkünden. Die Kinder wurden nicht wegen ungenügender Hygiene in den Einrichtungen krank, sondern weil sie sich nicht wohlfühlten, keine sicheren Bindungen zu den fremden Betreuern aufbauen konnten, so das Fazit der Psychologin.“ (https://www.zeit.de/2007/39/P-Lieselotte-Ahnert/komplettansicht Stand: 31.08.2019)

Viele Kindergärten haben daher in ihrem Konzept stehen, dass sie nach dem Berliner Modell eingewöhnen, doch auch ich habe schon erlebt, dass die betreffenden Erzieherinnen nicht wirklich wissen, was genau damit gemeint ist. Dann wird schon am zweiten Tag getrennt, die Mutter nicht zurückgeholt, wenn sich das weinende Kind nicht beruhigt, oder verschwiegen, wenn das Kind fast schon apathisch im Gruppenraum verharrt und nicht einmal frühstücken möchte.

„Es darf dabei niemals aus den Augen verloren werden, dass jedes Kind das Tempo seiner Eingewöhnungszeit selbst bestimmt. Je nach Temperament, bisherigen Bindungserfahrungen und individuellem kindlichem Verhalten dauert eine Eingewöhnung unterschiedlich lang.“ (https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/KiTaFT_Braukhane_Knobeloch_2011.pdf Stand: 29.08.2019)

Diese Tatsache sollten Erzieher und Eltern gleichermaßen im Blick behalten, egal nach welchem Modell eingewöhnt wird, es ist einfach unerlässlich, dass die Kinder eine gute Bindung zu ihren Erzieherinnen aufbauen. Daher sollten die Eltern, wenn sich das Kind nicht beruhigen lässt, verstört reagiert oder eine starre Körperhaltung einnimmt, von den Erziehern sofort wieder zurückgeholt werden. (vgl. https://www.pro-kita.com/padagogik/krippe-2/kindgerechte-eingewoehnung-das-sollten-sie-bei-der-kita-eingewoehnungszeit-beachten/ Stand: 29.08.2019)

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