Exotischer Kinderreichtum

Nun bin ich schon fünf Monate Mutter dreier Kinder. In diesem Zeitraum habe ich schon mehrfach erlebt, wie exotisch dies teilweise angesehen wird. Da werde ich von wildfremden Menschen angesprochen, ob dies alles meine Kinder seien, dass das ja wahnsinnig viel Arbeit sei, wie ich das denn alles schaffen würde und ähnliches.

„Die Mehrzahl der Menschen in Deutschland sowie in vielen anderen modernen Gesellschaften bekommt ein oder zwei Kinder; höhere Kinderzahlen sind vergleichsweise selten. Darüber hinaus entsprechen ein bis zwei Kinder den Gewohnheiten und Erwartungen der meisten Menschen im heutigen Deutschland; wer mehr Kinder bekommt, verstößt gegen eine Art impliziter Norm.“ (https://www.bib.bund.de/Publikation/2019/pdf/Kinderreiche-Familien-in-Deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=4 Stand: 08.08.2019)

Schon in der Schwangerschaft mit unserem dritten Kind habe ich teilweise gespürt, dass die Menschen in unserem Umfeld uns nur noch ein drittes Kind zusprachen, weil wir bisher ja „nur“ zwei Jungs hatten. Sätze, wie zum Beispiel „Na, hoffentlich wird es endlich ein Mädchen“ oder „Hoffentlich habt ihr jetzt endlich ein Mädchen hinbekommen!“ waren nicht selten. Nach der Geburt unserer Tochter begrüßte mich ein Kind mit den Worten „Na, hat’s endlich geklappt mit dem Mädchen?!“. Diese verquerte Sichtweise macht mich traurig und auch wütend. Warum nehmen sich die Menschen heraus, zu beurteilen, warum oder ob wir noch ein drittes Kind bekommen?

Nachdem ich von meiner ursprünglichen Überzeugung, niemals Kinder bekommen zu wollen, abgerückt bin, war für mich sehr schnell klar, dass ich viele Kinder haben möchte – mehr, als mein Mann selbst bereit ist zu bekommen. Vielleicht liegt mein Wunsch nach einer Großfamilie daran, dass ich mich in meiner Kindheit einsam fühlte, ich stets bei schulischen Feierlichkeiten die einzige war, die lediglich mit ihrer Mutter dort war… Tatsache ist aber, dass ich mich nicht dazu entschlossen habe, ein drittes Kind zu bekommen, weil ich unbedingt noch ein Mädchen bekommen wollte, sondern, weil ich ein drittes Kind haben wollte! Einen dritten Jungen hätte ich ebenso liebevoll in meine Arme geschlossen. Und auch jetzt ist der Wunsch nach Kindern bei mir nicht erloschen.

Das Leben mit meinen drei Kindern ist anstrengend, wahrhaftig. Es bedeutet, so gut wie keine Zeit für mich selbst zu haben, und häufig das Gefühl zu haben, es niemanden recht machen zu können, nicht gerecht sein zu können und die Angst, meinen Kinder zu wenig geben zu können. Doch in meinem Mamasein bin ich unglaublich glücklich und erfüllt. Trotz der Anstrengungen, des Schlafmangels und allem was dazu gehört, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als für meine drei Kinder da zu sein und sie auf ihr Leben vorzubereiten.

3 Kommentare zu „Exotischer Kinderreichtum

  1. Wird aber anstrengend! Die Kleinkinderzeit, die Schulzeit (nicht nur wenn KiGa und Schule fragen, wieso man nicht beim Elternabend war? – Tja, wir waren bei den anderen! Na, da ist der Vernachlässigte aber beleidigt! Und das schaffen die, alles ganz eng zusammen zu legen!), die Pubertät und dann, dann werden sie auch noch richtig teuer! Woher ich das weiß? Na, drei Kinder… Und? Ja, es war und ist gut so!

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    1. Hallo gerlintpetrazamonesh,

      oh, das glaube ich gerne. Schon jetzt wird es manchmal spannend, wenn wir Kita-Termine haben und einer von uns arbeiten muss. Ich befürchte solche Kommentare werden wohl auch bei uns früher oder später kommen. Solange sie aber nicht auf unsere Kinder abfärben, kann ich damit leben. Mich freut es, dass du auch heute noch glücklich mit deiner Entscheidung für drei Kinder bist!

      Liebe Grüße,
      Anika

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  2. Selbstverständlich, das bin ich. Sehr sogar. Aber ich rede inzwischen leicht, sie sind groß, sollten selbständig sein. All die intensiven Schultagssorgen und Nächte mit kranken Kindern oder was es sonst alles gibt – lang vorbei. Schon ein bißchen erinnerungsverklärt. Und trotzdem die Frage: wie haben wir das bloß geschafft?

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