Der vielleicht wichtigste Paragraf im BGB

Manchmal fühle ich mich ziemlich hilflos. Nicht nur in Hinblick auf die Erziehung meiner Kinder oder meiner Krankheit oder beides zusammen, sondern auch im Umgang mit anderen Menschen. Fremden Menschen oder besser gesagt fremden Eltern. Neulich ergab sich eine solche Situation. Wir waren gerade in einem Freizeitpark und hatten uns an einen Tisch gesetzt, um zu essen und zu trinken. Am Nachbartisch saß auch eine junge Familie. Der Vater ermahnte gerade sehr schroff seinen Sohn, welcher daraufhin die Zunge herausstreckte. Die Reaktion des Vaters kam prompt: Ein Klaps auf den Mund. Ich war sprachlos und entsetzt und haderte mit mir einzugreifen.

Doch wie? Mit Vorwürfen würde ich sicherlich keinen großen Erfolg haben… Mein erster Impuls war tatsächlich, Hilfsangebote aufzuzeigen, doch letztlich hat etwas in mir „Nein!“ gesagt. Warum weiß ich nicht, aber es ärgert mich ziemlich. Ich frage mich seither, ob dieser Klaps lediglich ein Ausrutscher war, weil der Papa vielleicht einfach erschöpft war, von dem langen Tag im Freizeitpark, oder ob es bei ihm tatsächlich öfter an der Tagesordnung steht, mit Klapsen zum gewünschten Verhalten beim Kind zu gelangen.

„Weitaus häufiger sind leichtere körperliche Strafen wie der Klaps auf den Po. Etwa 45 Prozent der Eltern halten ihn heute noch für ein angebrachtes Erziehungsmittel, allerdings deutlich weniger als noch 2005. Damals waren es 76 Prozent, wie eine weitere Befragung von Fegert zeigt.“ (https://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/gewaltfreie-erziehung-es-fehlt-manchmal-an-vorbildern-a-1204778.html)

Ich finde es erschreckend, dass noch heute so viele Eltern es legitim finden, ihre Kinder so erziehen. Die Zeit der gewaltsamen Züchtigung sollte doch schon längst vorbei sein. Doch dem ist anscheinend leider noch nicht so. Zwar sind die Zahlen rückläufig, doch mein Mann hat im Rahmen seines Unterrichtsthemas seine Schüler nach Erziehungsmethoden ihrer Eltern befragt und was sie selbst als angemessene Erziehungsmethoden sehen. Die Antworten waren eindeutig: Gewalt in der Erziehung wird in großen Teilen noch immer als legitim anerkannt.

Dabei wurde, wenn auch erst im Jahr 2000, im Bürgerlichen Gesetzbuch der Passus aufgenommen, dass jedes Kind ein Recht auf gewaltfreie Erziehung hat: § 1631 Absatz 2. Zudem heißt es dort „Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ Zugegeben, ich kenne nicht viele Paragrafen aus dem BGB, aber diesen kenne ich, mehr noch: Ich bin der Meinung, dass jedes Elternteil in Deutschland diesen Paragrafen kennen und nach ihm erziehen sollte…

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