Über den eigenen Schatten springen…

Schon seit zwei Jahren wollte ich eigentlich meine langjährige Freundin in ihrem neuen Haus besuchen. Doch irgendwie hat es nie geklappt. Meine Kinder fahren – wie schon oft erwähnt – sehr ungern Auto, sodass ich weitere Autostrecken immer vermeide. Zugfahren gehört aber auch nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen: Viele fremde Menschen, überfüllte Abteile…

Trotz dessen habe ich es gewagt und bin über meinen eigenen Schatten gesprungen. Als mein Mann mir eröffnet hat, dass er seinen Urlaub nicht so nehmen könnte, wie ursprünglich geplant, da er einfach nicht so voran kam, wie erhofft, hatte ich für mich zwei Möglichkeiten: Entweder zu Hause bleiben und mich ärgern, dass wir nun doch noch nicht gemeinsam Urlaub nehmen können, wie besprochen, oder aber ausreißen. Weg von zu Hause, weg vom Alltag…

Mein Mann war von meinem Hirngesprinst sofort begeistert: Wenn ich ein paar Tage mit den Kindern irgendwo hin fahren würde, würde er mir versprechen, danach wirklich Urlaub zu machen, schließlich könne er sehr viel effizienter arbeiten, wenn die Kinder nicht zu Hause seien.

Nach einigem hin und her Überlegen habe ich mich also tatsächlich dazu durchgerungen und habe die 3 Stunden mit dem Zug plus die insgesamt 80 Minuten Autofahrten auf mich genommen. Und das alles ging sehr schnell: Morgens beim Frühstück haben wir noch darüber gesprochen, gegen Mittag saßen wir schon im Auto, um zum Bahnhof zu fahren und am späten Nachmittag schloss ich meine Freundin in die Arme.

Es klappte alles sehr gut. Natürlich war es sehr anstrengend alleine mit drei kleinen Kindern und einem großen Koffer zu verreisen, doch es gab glücklicherweise einige nette Menschen, die mir teilweise mit dem Koffer halfen oder aufgepasst haben, dass die Kinder nicht in der Spalte zwischen Zug und Gleis abrutschen. Natürlich gab es auch einige Menschen, die durchaus gesehen haben, wie ich mit einem Baby im Tragetuch, zwei kleinen Kindern rechts und links von mir einen riesigen Koffer zu bewegen versucht habe und nichts weiter taten. Aber nicht umsichtige Menschen gibt es eben überall…

Als ich dann mit meinen drei Kindern durch die Platzreservierung der Bahn ausgerechnet im Ruheabteil gelandet bin, habe ich mich schon auf Ermahnungen etc. gefasst gemacht. Doch auch hier hatten die Menschen Nachsicht: Obwohl überall im Abteil ein Handy durchgestrichen war und wo man auch nur hinsah, der Schriftzug „Ruhe“ stand, blieben Ermahnungen aus. Und dass es mit drei Kindern – vor allem mit einem Baby – alles andere als ruhig ist, können sich wohl doch die meisten Menschen denken…

Obwohl die Jungs sich wahnsinnig aufs Zugfahren gefreut haben, haben sie doch schnell die Lust verloren und ihnen wurde langweilig, was zur Folge hatte, dass sie Unmengen an Quatsch veranstaltet haben.

Mein Resümee dieses Erlebnisses ist dennoch: Einfach mal über den eigenen Schatten springen. Zwar war ich am An- sowie Abreisetag jeweils völlig fertig mit den Nerven, doch gelohnt hat es sich alle mal. Meine Freundin sah ich vor dem Besuch zum letzten mal vor einem Jahr. Da hat sich dieser Aufwand wirklich gelohnt.

Es war nicht einfach, doch längst nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte, sodass diese Erfahrung mich durchaus zum Nachdenken gebracht hat: Es muss nicht immer alles so schlimm sein, wie ich es mir vorstelle. Ich muss Dinge nur einmal ausprobieren, auch wenn es mich Überwindung kostet, denn manchmal ist das Ergebnis gar nicht so schlimm!

3 Kommentare zu „Über den eigenen Schatten springen…

  1. Genauso ist es! Die Theorie kann ich auch gut, besonders, wenn mal was geklappt hat. Ich glaube, in deinen letzten Sätzen einen Zweifel zu hören. Vielleicht spiegle ich aber auch nur meine eigenen Gefühle.
    Auf jeden Fall ist es schön, dass du deine Freundin wiedersehen konntest! Hoffentlich klappt das auch mit dem Familienurlaub!
    Viele Grüße
    die Hoffende

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    1. Hallo Hoffende!
      Vielen Dank für deinen Kommentar! Manchmal fällt es eben doch schwer, über den eigenen Schatten zu springen, den inneren Schweinehund zu überwinden, oder allgemein aus dem alltäglichen auszubrechen. Das sind manchmal vielleicht meine Zweifel – doch je öfter wir die Erfahrung machen, dass es gar nicht so schlimm ist, mal etwas Neues auszuprobieren, desto leichter fällt es doch dann beim nächsten Mal.
      Dankeschön, nun genießen wir tatsächlich den gemeinsamen Familienurlaub! Auch dir wünsche ich schöne Sommertage!
      Liebste Grüße, Anika

      Gefällt 1 Person

      1. Dankeschön, ich wünsche euch einen wunderschönen Urlaub!
        Liebe Grüße zurück
        die Hoffende

        Gefällt 1 Person

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