Erziehungsstile und Unstimmigkeiten

Der Bereich Erziehung ist ein immens großer Markt – es gibt unzählige Bücher darüber ebenso wie viele TV-Formate, die sich diesem Themenbereich widmen. Dass sich meine Erziehungsvorstellungen und -ziele nicht unbedingt mit den Menschen aus meinem Umfeld decken, habe ich bereits angedeutet und das ist schon kompliziert genug. Doch wenn der eigene Ehemann auch andere Ansichten hat, dann wird es noch viel komplizierter und schwieriger. Wir unterscheiden uns zwar nicht in der Gesamtrichtung der Erziehung; in vielen Punkten sind wir uns einig: So legen wir großen Wert auf gemeinsame Familienzeit (auch wenn das mit den Arbeitszeiten meines Mannes nicht wirklich leicht ist). Wir sind uns auch darüber einig, dass wir möglichst bedürfnisorientiert erziehen wollen und es keine Verbote geben sollte, die wir nicht selbst begründen können.

Und doch gibt es immer wieder diese Momente, in denen wir uns unterscheiden und nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Das verursacht eine enorme Belastung und Anspannung in mir. Während mein Ehemann ab einem bestimmten Punkt von einem bedürfnisorientierten Ansatz zu einem eher konsequenzorientierten und Feste-Rahmen-Setzenden Ansatz umschwenkt, versuche ich weiterhin im Sinne von „Erziehung ohne Strafen“ meine Kinder bedürfnisorientiert zu begleiten. Häufig ist das sehr kräfteraubend und es dauert gefühlt eine halbe Ewigkeit, bis etwas umgesetzt werden kann. Doch in der Regel klappt es dann ganz gut. Nur leider gibt es im Elterndasein viel zu oft Situationen, in denen die Kraft, der Schlaf, die Geduld und einiges mehr fehlt, um eben genau die benötigte Kraft und Geduld zu haben, um bedürfnisorientiert zu seinem Ziel zu gelangen – gemeinsam mit den Kindern zu einer Lösung zu kommen, die für alle Beteiligten akzeptabel ist. Leider verfalle auch ich dann häufig in Methoden und Maßnahmen, die ich eigentlich ablehne, doch fehlt mir dann in besagter Situation die weitere Kraft, Zeit, Geduld oder was auch immer, um meinen eigentlichen Anspruch weiter verfolgen zu können. Hinterher ärgert mich dies immer wahnsinnig und mein Selbstwert nagt an mir, weil ich in meinen Augen mal wieder versagt habe. Weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden bin und vor allem, weil ich Angst habe, eine schlechte Mutter zu sein, meinen Kindern mit meiner Art von Erziehung zu schaden, sie zu instabilen Persönlichkeiten zu erziehen…

Mein Ehemann hat eine Erziehung genossen, mit der er auch im Nachhinein sehr zufrieden ist. Er übernimmt vieles davon und passt an anderen Stellen seinen Erziehungsstil an. Ich dagegen beantworte viele Erziehungsfragen ganz anders, als ich es in meiner Kindheit erleben musste, weil ich eher die Dinge erfahren habe, die ich niemand anderem wünsche. Ich habe also kein Vorbild an der Hand, sondern eher abschreckende Beispiele und baue mir mein erzieherisches Konstrukt selbst mit der nötigen Literatur und meiner eigenen Wunschvorstellung als Kind…

Als Lehrer und Sozialpädagogin haben wir wohl beide auch genügend Fachwissen als Background, um zumindest theoretisch zu wissen, was wir wie am Besten machen. Nichtdestotrotz weichen wir eben häufig voneinander ab und jeder von uns hat seinen Standpunkt und Begründungen dazu, warum er wie handelt oder handeln möchte.

Diese Differenzen verursachen häufig ein Gedankenkarussell in mir: Wie gehen wir am Besten mit unseren unterschiedlichen Erziehungsstilen um? Sollen wir darauf achten, dass wir nur einen Stil verfolgen, was zur Folge hätte, dass einer von uns seine Ideale aufgeben müsste? Oder können unsere Kinder durchaus zwei verschiedene Erziehungsstile wahrnehmen und zu schätzen lernen, ohne davon völlig verwirrt zu werden?

Ich bin der Meinung, dass wir grundsätzlich authentisch sein sollten, insbesondere in der Beziehung zu unseren Kindern. Dazu gehört es dann also, den Partner so erziehen zu lassen, wie er es für richtig hält, auch, wenn dies manchmal schwer auszuhalten ist…

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