Gender und so

Mein großer Sohn besucht den Kindergarten. In seiner Gruppe geht ein Junge, der sich gerade die Haare wachsen lässt. Mittlerweile sind diese so lang, dass er hübsche Spangen, Haarbänder etc. benutzen kann. Diese sind häufig rosa und mit viel Glitzer. Mein Großer hat nun vor einiger Zeit beschlossen, seine Haare auch wachsen zu lassen. Ich persönlich freue mich darüber, denn zum einen mag ich längere Haare an Jungs/Männern, zum anderen kann ich mich noch lebhaft an unser Erlebnis vor Weihnachten erinnern, als wir die Haare nur etwas kürzen wollten und die Haare so kurz wurden, dass ich weinen musste.

Viele in unserem Umfeld finden die Entscheidung meines Sohns nicht so gut, einschließlich meines Mannes. Lange Haare und Jungs/Männer, das passt nicht. Das geht nicht. Das sieht doch nicht (mehr) schön aus (ein Satz, den sich mein Sohn schon anhören musste). Diese Einstellung finde ich sehr schade. Ich frage mich dann immer, warum unseren Kindern diese Rollen so früh schon eingetrichtert werden. Lange Haare dürfen nur Mädchen haben. Die rosa Zeitschrift mit dem Einhorn ist nur für Mädchen. Schminken dürfen sich nur Frauen. Puppen und Barbies sind natürlich auch nur für Mädchen. Komischerweise ist es nicht so schlimm, wenn Mädchen mit Autos, Schwertern und anderem „Jungs-Typischen“ Spielzeug spielen. Selbst wenn die Mädchen kurze Haare haben, scheint dies nicht so schlimm zu sein, wie Jungs mit langen Haaren. Mädchen dürfen durchaus blaue und grüne Kleidung tragen – tragen Jungs rosa Kleidung, heißt es gleich böse, sie seien Mädchen. Die Hose ist für Mädchen schon lange etabliert, während Jungs nicht mal eben in ein schönes Elsa-Kleid schlüpfen können, ohne gleich geärgert zu werden.

Warum ist das so? Warum müssen die Geschlechterrollen so derart in unsere kleinen Kinder eingeflößt werden? Warum dürfen sie sich nicht selbst einfach so entfalten, wie sie möchten? Warum dürfen sie nicht einfach das ausprobieren, was sie möchten? Warum dürfen sie sich nicht einfach ausprobieren, was ihnen gefällt? Ich finde es sehr fragwürdig, die charakteristischen Entscheidungen meiner Kinder so zu beeinflussen, dass sie zweifeln, ihre Meinung letztlich ändern, nur um eventuell mir einen Gefallen zu tun, es mir recht zu machen.

Sicherlich gibt es neben meinen Reaktionen und denen unseres nähren Umfelds auch andere Menschen und vor allem Kinder, die auf die Entscheidungen meines Sohns reagieren. Da kam zum Beispiel bei der Kindergeburtstagsfeier von anderen Kindern die Frage auf, warum mein Sohn Barbies habe und er wurde als „Mädchen“ geärgert, weil er sich mit Glitzerlidschatten geschminkt hatte. Doch warum tun dies Kinder? Doch nur, weil sie so erzogen wurden. Ihnen wurde eben genau eingetrichtert, dass dieses und jenes eben nur für Jungs oder Mädchen sei.

Genau da müssen wir meiner Meinung nach ansetzen: Wir sollten unsere Kinder nicht geschlechtsspezifisch erziehen. Sie sollten Freiraum haben, um sich selbst finden zu können und nicht von uns geformt werden.

4 Kommentare zu „Gender und so

  1. Hi Anika! Ich kann Deine Gedanken nur zu gut nachvollziehen, habe selbst auch ähnliches erlebt. Mein Sohn ist auch in der Kita und er hat langes schwarzes Haar. Gerade in der Übergangszeit habe ich auch manchmal mit Haarband oder Spange nachgeholfen, was immer für viel Aufsehen gesorgt hat. Auch schon unter den Kindern, denn sie bekommen die Engstirnigkeit ja von den Großen vorgelebt. Mein Sohn will Ninja sein, und er ist überzeugt, er braucht eine entsprechende Ninja Frisur. Auch wenn das oft belächelt wurde, ich unterstütze meinen Sohn und freue mich, dass er in so einem frühen Alter schon weiß was er will und dazu steht.

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    1. Hallo Sovely Matters!
      Es ist wirklich schade und erschreckend, wie kleine Kinder schon in Kategorien denken und dementsprechend andere (Kinder) verurteilen und ärgern! Es freut mich zu lesen, dass du hinter deinem Sohn stehst und es ihm ermöglichst, so zu sein, wie er möchte!
      Ganz liebe Grüße, Anika

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  2. Das kann ich nur genau so unterschreiben! Ich habe zwar noch keine eigenen Kinder, arbeite aber mit Kindern und bin immer wieder schockiert wie eingefahren deren Rollenbilder zum Teil schon sind. Ich ermutige die Kinder immer dazu die Dinge zu machen, die sie toll finden, egal ob ein Mädchen gerne Fussball spielt oder ein Junge nach Herzenslust mit Glitzer, Perlen oder sonst was bastelt. Wir hatten sogar schon den Fall, dass ein biologisches Mädchen (7 oder 8 Jahre alt) allen Kindern erzählt hat, dass sie ein Junge sei. Die Kinder fanden das sehr merkwürdig und haben zum Teil sehr unschön reagiert, ich habe dann mit ihnen gesprochen und ihnen erklärt, dass jeder selbst entscheiden kann was oder wer er gerne sein möchte und dass das doch nichts daran ändern würde ob sie oder er ein toller Spielkamerad ist. Und was soll ich sagen, dann war es für die Kinder vollkommen in Ordnung und sind ganz normal miteinander umgegangen, ohne Hänseleien oder ähnlichem. Leider sehen viele Eltern das ganze deutlich kritischer, den Kindern ist Geschlecht eigentlich egal, sie werden nur leider dazu erzogen, dass das Geschlecht entscheidet was man zu tun oder zu lassen hat und das finde ich wahnsinnig schade, denn der Umgang den Kinder miteinander haben ist so viel schöner als der den die meisten Erwachsenen miteinander pflegen.

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    1. Hallo Meli!
      Toll, dass du dem besagten Mädchen geholfen hast, in der Gruppe weiterhin akzeptiert zu werden und nicht Hänseleien ausgesetzt zu werden. Und gleichzeitig hast du auch einen wichtigen Beitrag für die anderen Kinder geleistet: Dass sie nicht so engstirnig sind, sondern auch offen für Neues und Fremdes sind! Solche Menschen brauchen wir viel häufiger; Menschen, die Kinder nicht in ihre geschlechtsspezifischen Rollen zwängen wollen, sondern sie einfach so lassen und leben lassen, wie sie es möchten und verspüren!
      Liebe Grüße, Anika

      Gefällt 1 Person

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