Vermeidungsverhalten

Momentan bin ich Spezialistin. Spezialistin im Vermeidungsverhalten. Seit Wochen stecke ich gerne den Kopf in den Sand und tue lediglich das Nötigste. Dass sich davon meine To-Do-Liste nicht minimiert, sondern maximiert, ist mir durchaus bewusst, doch irgendwie schaffe ich es zur Zeit nicht, meinen inneren schwarzen Hund zu bekämpfen.

Vermeidungsverhalten war schon in der Klinik zur Krisenintervention ein viel diskutiertes Thema. Alles, was ich nicht wollte, wogegen ich mich sträubte, wurde als Vermeidungsverhalten negativ angesehen, wollte nicht akzeptiert, stattdessen tiefgründig diskutiert werden. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die folgende Situation:

Zu Beginn der Krisenintervention hieß es, entweder ich gehe zur Arbeitstherapie z. B. In die Buchbinderei oder zur Ergotherapie. Da ich schon immer wahnsinnig gerne schreibe und mich für Bücher interessiere, entschied ich mich sofort für die Buchbinderei. Mein erster Tag sah dann so aus, dass ich ein Bastelmesser in die Hand bekam und aus bunten Papierbögen Vorlagen für Briefumschläge heraus schneiden sollte. Das war mir vorher nicht bewusst. Und nun saß ich dort am Schreibtisch, mit einem verdammt scharfen Messer in der Hand und musste irgendwie meiner Versuchung widerstehen. Immerhin war ich aufgrund von massiven Depressionen und Selbstverletzungsdruck zur Krisenintervention in der Klinik…

Also sprach ich bei den Therapeuten direkt an, dass die Buchbinderei doch nichts für mich sei, dass mein Selbstverletzungsdruck dabei noch mehr ansteige und ich lieber zur Ergotherapie wechseln wolle. Und nun kam das Zauberwort: Vermeidungsverhalten. Wenn es unangenehm für mich werden würde, würde ich direkt zur Vermeidung tendieren, das müsse ich verändern. Standhalten und stark sein…

In vielen Situationen und Bereichen mag das durchaus stimmen, doch genau in dieser Situation bedeutete stark sein, eine absolute Überschreitung meiner eigenen Grenzen, denn ich hatte einfach keine Kraft mehr stark zu sein, meinem Selbstverletzungsdruck standzuhalten…

Und nun befinde ich mich, wie eingangs erwähnt, schon seit Wochen in dem Dilemma, tatsächlich Vermeidungsverhalten an den Tag zu legen. Meine To-Do-Liste wird stetig länger und tagtäglich ärgere ich mich über mich selbst, dass ich wieder nichts geschafft habe. Dass die Aufgaben nicht weniger geworden sind und mein Kopf immer noch so voll ist mit allem.

Über mein Vermeidungsverhalten bin ich mir durchaus bewusst und ich nehme mir immer wieder vor, es nun anders zu machen, meine (ungeliebten) Aufgaben zu erledigen und etwas abhaken zu können. Doch dann finde ich wieder Gründe, etwas nicht erledigen zu können, etwas aufschieben zu müssen und ich bin in meinem alten Muster wieder gefangen…

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