Bad Monday

Nach einem eigentlich schönem Wochenende startete nun die neue Woche. Typischerweise beginnt diese mit dem Montag. Bei mir heißt er dieses mal bad monday. Denn mein Start in die neue Woche hat gleich Hochanspannung mit sich gebracht und zwar den gesamten Tag über. Und es war so ausgeprägt und heftig, dass ich ernsthaft beim Einkaufen mit mir gehardert habe, Rasierklingen zu kaufen oder eben nicht. Und das will schon was heißen…

Anscheinend sind wir diesen Montag alle mit dem falschen Bein aufgestanden, denn irgendwie lief nichts richtig rund und alles war anstrengend. Die Jungs wurden viel zu früh wach, zwar führte dies dazu, dass wir mal überpünktlich mit dem Frühstück fertig waren, doch dann begann eigentlich erst das Desaster. Eigentlich typische kindliche Trotzanfälle: Sie wollen keine Zähne putzen. Sie wollen nicht das T-Shirt anziehen. Sie wollen noch spielen… Die Liste ließe sich noch beliebig lang fortsetzen. Nach endlosen Diskussionen und dem Finden von Kompromissen saßen wir dann irgendwann im Auto – später als gewollt und zunächst gedacht, wo wir doch so pünktlich mit dem Frühstück fertig waren.

Endlich in der Kita angekommen, begann gleich das nächste Drama, denn wir hatten die Hausschuhe des Großen zu Hause vergessen – diese hatte er nämlich am Freitag mit nach Hause nehmen wollen. Und nun ging für ihn die Welt unter, weil er keine Hausschuhe dabei hatte. Dieser Umstand ist zur Zeit eigentlich nicht dramatisch, da in der Kita Naturwoche ist, was bedeutet, dass die Kinder den gesamten Tag im Wald verbringen und lediglich die letzten 20-30 Minuten in der Gruppe verbringen. Doch auch dieses Argument beruhigte meinen Großen auch nicht. Er steigerte sich bestens hinein. Erst langsam mit Hilfe der Erzieherin, die ihm ebenfalls versicherte, dass es nicht schlimm sei, dass er keine Hausschuhe dabei hat, beruhigte er sich.

Nun wollte ich meinen Mittleren in die Gruppe bringen und ein erneutes Drama eröffnete sich mir. Er nimmt immer ein Buch von zu Hause mit in die Gruppe, da es ihm dann leichter fällt, in die Gruppe zu kommen, wenn er stolz das Buch präsentieren kann und darin mit einer Erzieherin lesen kann. Diesen Morgen sollte ich das Buch aussuchen. Nun hatte er sich ausgezogen und wollte das Buch mitnehmen und es war nicht das richtige. Es ist das Buch vom großen Bruder, dieser hatte es vor kurzem zu seinem Geburtstag geschenkt bekommen und das war nun das Problem. Auch hier dauerte es gefühlte Ewigkeiten, bis sich der kleine Mann wieder beruhigte und letztlich doch voller Stolz mit diesem tollen Buch in die Gruppe ging.

Nach dieser ganzen emotionalen Aufregung war es sicherlich kein Wunder, dass nun mein Babylein am Weinen war. Also hieß es nun erst mal Beruhigungsstillen. Ich hoffte, es würde ausreichen, um die Autofahrt zurück zu überstehen. Doch mein Hoffen wurde zunichte gemacht und sie weinte… Endlich angekommen habe ich sie ins Tragetuch gebunden und sie beruhigte sich und schlief vor Erschöpfung ein. Also konnte ich endlich einkaufen.

Und da stand ich dann irgendwann vor diesen Rasierklingen und meine Hochanspannung war so ausgeprägt und intensiv, dass ich nur noch diesen Wunsch hatte, es endlich raus lassen zu können. Ich stand mehrere Minuten vor diesem Regal. Immer wieder die Klingen in der Hand, wieder zurück und wieder in der Hand. Das Für und Wider abgewägt. Letztlich hat meine Liebe zu meinen Kindern gesiegt. Denn zwar hatte ich den Drang (und ich habe ihn noch immer), mich selbst zu verletzen, doch meine Kinder möchte ich nicht verletzen. Das tue ich aber, wenn ich mich selbst verletze. Schließlich möchte kein Kind, dass seine Eltern verletzt sind…

Den Tag mit dieser Hochanspannung zu überstehen, war nicht einfach und hat eine Menge Kraft gekostet. Ich war erschöpft und fühlte mich ausgelaugt. Doch ich war auch stolz auf mich. Denn ich habe meiner Versuchung, meinem Verlangen, widerstanden.

Trotz, dass es mir gelungen ist an diesem Tag standhaft zu bleiben, habe ich mir vorgenommen, mich wieder intensiver mit meinen erarbeiteten Skills zu beschäftigen, denn die Gefahr ist groß, dass ich bei der nächsten überdimensionalen Anspannung nicht mehr die Kraft habe, meinem Selbstverletzungsdruck zu widerstehen – dann sollte ich auf meinen Akupressurring oder dem Schnippen von Haargummies zurück greifen.

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