Zum Wohle der Kinder?!

Neulich ist es wieder passiert. Diesmal beim Kinderarzt. Wie ich bereits in Schubladendenken geschrieben habe, herrschen Vorurteile an jeder Ecke.

Obwohl ich diesen Blog schreibe, gehe ich nicht mit meiner Krankheit hausieren. Doch nun kommt der Sommer, die Temperaturen steigen und mittlerweile wage ich es sogar kurze Kleidung zu tragen. Das hat allerdings zur Folge, dass die Menschen meine Narben sehen. Die Fragen danach kenne ich eigentlich zur Genüge. Da kommen dann Sätze, was ich denn da gemacht hätte, ob es mir mal nicht so gut ging oder ähnliches. Bisher kamen diese Sätze meist von Menschen aus meinem Umfeld: Arbeitskollegen zum Beispiel.

Doch neulich passierte es beim Kinderarzt. Ich war zur Vorsorgeuntersuchung mit meinem Sohn. Er wurde eingehend getestet, ob er der Norm entspricht oder Abweichungen vorliegen, damit gegebenenfalls therapiert werden kann. Auch ich wurde gefragt, ob ich noch Fragen hätte. Im Anschluss sagte die Kinderärztin, sie habe da noch eine Frage. Sie habe „das da gesehen“ und zeigte auf den Arm und fragte, ob es noch aktuell sei, denn ihr sei die Gesundheit der Eltern ebenso wichtig, wie die der Kinder, denn nur wenn die Eltern gesund seien, könnten es die Kinder auch sein.

Nun fühlte ich mich hilflos. Verletzbar. Ängstlich. Wenn mich Kollegen oder andere Bekannte nach meinen Narben und deren Bedeutung fragen, ist das eine Sache. Doch wenn mich die Kinderärztin danach fragt, eine andere, denn in dieser Konstellation bin ich hauptsächlich Mutter. Und wenn ich als Mutter eine Gefahr für meine Kinder darstelle, hat dies wohl Konsequenzen… Mein Unwohlsein in dieser besagten Situation brachte lediglich ein „nein“ auf die Frage, ob es noch aktuell sei, heraus. Ob das der Kinderärztin reicht, weiß ich bis heute nicht. Bei zwei Kindern und einem Neugeborenen werde ich diese Ärztin häufiger sehen und nun immer wieder an diese Situation denken und mich unter Druck gesetzt fühlen. Zu funktionieren. Als gute und gesunde Mutter angesehen zu werden. Und nicht als Gefahr für meine Kinder. Denn genau das ist es, was hauptsächlich gesehen wird, wenn Eltern nicht der Norm entsprechen. Nur wenn die Eltern gesund sind, können es die Kinder auch sein. Ist das so? Sicherlich kann ich mich weniger gut um meine Kinder kümmern, wenn ich beispielsweise aufgrund einer Grippe nicht mehr richtig funktioniere, aber gilt dies auch generell bei einer chronischen Erkrankung? Wenn ich also zum Beispiel unter Diabetes oder Migräne leide, bin ich automatisch eine Gefährdung für meine Kinder, weil ich nicht gesund bin? Sicherlich darf ich nicht alle Krankheiten über einen Kamm scheren, denn natürlich bin ich ein Risiko für meine Kinder, das weiß ich selbst.

Etwa 30 Prozent der Kinder psychisch kranker Eltern entwickeln selbst Auffälligkeiten – von Schulproblemen, ADHS bis hin zu Essstörungen oder Ängsten. ‚Es gibt bisher kaum vernetzte Hilfen für diese Kinder‘, kritisiert die Hamburger Psychologieprofessorin Silke Wiegand-Grefe.“ (https://www.n-tv.de/wissen/Wenn-Mama-wieder-Pressionen-hat-article20414465.html)

Aufgrund dieser Tatsache ist es von der Kinderärztin wohl völlig legitim nach meinem Wohlbefinden zu fragen. Denn letztlich ist ja auch sie diejenige, die an dem Wohl der Kinder interessiert ist und dafür Sorge tragen will, dass es ihnen an nichts fehlt. Ich muss nun nur noch lernen, diese Frage eben nicht auf mich und meine Krankheit zu beziehen, sondern auf das Wohl meiner Kinder.

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