Ich bin doch (k)eine Maschine

Das Gefühl, funktionieren zu müssen um jeden Preis ist allgegenwärtig. Immer 200 % geben zu müssen, im Job, bei meinen Kindern, auf Feiern. Ich darf nicht schwach erscheinen, ich muss perfekt sein, immer und überall.

Dass das nicht gut ist und vor allem natürlich nicht klappt, ist mir eigentlich klar. Nur mein Anspruch ist immer der Gleiche und führt dazu, dass ich unzufrieden bin und mich als Versagerin fühle, wenn etwas eben nicht so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe.

So zum Beispiel bei den vergangenen Geburtstagsfeiern. In meinem Kopf keimt eine Idee von einem Geburtstagskuchen, im Internet werde ich bildtechnisch fündig und es geht ran an die Arbeit. Natürlich wird mein Kuchen nicht ansatzweise so schön, wie die Internetvorlage und das ärgert mich gewaltig. Meine Kinder sehen das nicht so eng, im Gegenteil, sie freuen sich über den Kuchen von Mama und auch die Gäste loben mein Endprodukt. Nur ich kann es nicht würdigen…

Meine viel zu hohen Ansprüche an mich selbst begleiten mich durch alle Lebenslagen. Ich will immer perfekt sein, muss mich immer behaupten und mich möglichst überall engagieren. So habe ich, als die Kita unserer Jungs nach kleinen selbstgemachten Dingen für den Weihnachsbasar gefragt hat, 5 Bücher gefaltet und saß mehrere Stunden daran, obwohl ich natürlich genug anderes um die Ohren hatte.

Mir fallen noch Dutzend Beispiele ein, in denen ich mir mehr Arbeit aufgehalst habe oder eben die anstehende Arbeit im Perfektionswahn ausarten lasse. Meine Familie und Freunde sagen mir immer wieder, ich soll mal „runter fahren“, nicht so viel aufwändiges machen, „5 Grade sein lassen“ usw.

Doch das kann ich nicht. Ich muss mich immer wieder beweisen, sonst bin ich nichts wert. Ich bin in meinen Augen keine gute Mutter, wenn ich meinen Kindern keinen tollen Kuchen am Geburtstag backe. Ich bin nichts, wenn ich nicht herausrage.

Das führt beim Borderline-Kranken jedoch dazu, dass er sich nur unter ganz bestimmten Bedingungen anerkannt fühlen kann, und das treibt ihn an, ständig nach Anerkennung zu suchen und ihr doch immer zu misstrauen.“ (Kreismann/Straus 2008, S 129)

Diese Ansprüche an mich selbst setzen mich immer wieder sehr unter Druck. Zeitlich wie emotional. Dann bin ich nur noch im Funktioniermodus. Denn mit drei Kindern, Hund und Haushalt bleibt kaum noch Zeit übrig und doch nehme ich mir eben diese irgendwie um meine selbst auferlegten Ansprüche zu erledigen, ob ich nun noch weniger schlafe oder ähnliches, ich muss diese Dinge erledigen. Der Rest läuft dann auf Autopilot.

Doch dieser Perfektionswahn ist nicht gut. Ist nicht gesund. Vor allem für mich nicht, denn es stresst mich sehr. Und Stress macht mich angreifbar. Borderline macht sich bemerkbar. Denn der Stress führt zu Anspannung und diese muss irgendwie abgebaut werden.

Ich muss also lernen, runter zu fahren, mir klar zu machen, dass ich keine Maschine bin, sondern eben nur ein Mensch und Menschen brauchen Pausen und können nicht immer funktionieren…

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