Zweifel an mir selbst

„Einsamkeit macht sich breit und das schreckliche Gefühl, man ist schlicht unzulänglich und nichts wert. Manche Betroffene schätzen sich selbst auch als moralisch schlecht, inkompetent, hässlich und verachtenswert ein. (…) Bisweilen hören Borderline-Betroffene laute Stimmen im Kopf, die ihnen sagen, dass sie wertlos sind, dass es keinen Sinn macht, sich zu bemühen, da sie eh keinen Erfolg verdient hätten. Häufig erinnern diese laut werdenden Gedanken fatal an das, was ihnen von wichtigen Bezugspersonen eingeredet worden ist. “ (Bohus/Reicherzer 2012, S. 18)

Zweifel an mir selbst begleiten mich schon mein Leben lang. Gehegt und gepflegt wurden meine negativen Glaubenssätze erfolgreich durch zum Beispiel Lehrer, die mir erzählten, ich würde, wenn überhaupt die Realschule schaffen… Auch der neue Mann meiner Mutter war sehr grandios darin, meinen Selbstwert zu zerstören. Er nutzte schamlos alle Situationen aus, um mich klein zu machen. Vielleicht ist das der Grund, warum ich bis heute immer 200 % gebe, immer alles perfekt machen möchte und mir nie etwas gut genug vorkommt, was ich gemacht habe.

Meine Zweifel an mir selbst, dass ich nichts wert bin, nichts schaffe und mich sowieso niemand mag, umfassen alle Lebenslagen und seitdem ich Mutter bin, vor allem auch meine Mutterrolle. Schon in der Schwangerschaft mit meinem ersten Kind fragte ich mich, ob ich tatsächlich eine gute Mutter sein könnte. Ich hatte viele Vorstellungen davon, wie ich als Mutter sein will und vor allem, wie ich nicht sein will. Ich las viel und wollte – wie immer – alles perfekt machen. Doch leider geht das mit Kindern nicht. Sie stellen uns immer wieder vor neuen Herausforderungen und diese sind einfach nicht vorhersehbar. Und nicht vorhersehbar war für mich, dass ich ein Schreibaby haben würde. Somit kam ich, wie bereits schon in The same procedure as last time? The same procedure as… erwähnt, häufig an meine Grenzen, was natürlich wiederum dazu beigetragen hat, dass ich an mir und meiner Mutterrolle zweifelte.

Der chronische Schlafmangel als Mutter allein führt sicherlich bei vielen Mamas dazu, nicht immer die Mutter zu sein, die man gerne sein möchte, nicht so reagieren zu können, wie man eigentlich möchte. Bei mir kommt neben dem Schlafmangel noch meine chaotische Gefühlswelt hinzu und es entstehen Situationen, die ich hinterher bereue und mich wieder einmal über mich selbst ärgere, weil ich „versagt“ habe.

Sicherlich geht es vielen Eltern so und das ist völlig normal, denn schließlich sind wir Menschen und keine Roboter. Menschen machen Fehler. Und das sollen unsere Kinder ja auch lernen. Deshalb entschuldige ich mich bei meinen Kindern, wenn mal wieder etwas aus dem Ruder gelaufen ist und erkläre ihnen, woran es lag. Zum Beispiel, dass ich schlecht geschlafen habe und müde bin.

Ich möchte meinen Kindern vermitteln, dass Fehler zum Menschsein dazu gehören. Trotzdem ist der Mensch aber wertvoll und wird geliebt. In Bezug auf meine negativen Glaubenssätze spüre ich zumindest durch meine Kinder, dass ich geliebt werde und an den anderen Zweifeln an mir selbst arbeite ich weiter.

1 Kommentar zu „Zweifel an mir selbst

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