Therapeuten (-fehler) Teil II

Fortsetzung von „Therapeuten (-fehler)“

Neben freiwilligen Therapieanfängen habe ich zudem gerade in meiner Kindheit die Erfahrungen mit gezwungener Psychotherapie gemacht. Wie ich bereits in meinem Blogartikel „… Der Aufstieg – Das Problem mit der Komorbidität“ schrieb, befand ich mich mit 12 Jahren in stationärer Behandlung aufgrund meines magersüchtigen Verhaltens. Mal ganz davon abgesehen, dass auch dort die Qualität der Therapie zu wünschen übrig ließ*, hat eine Therapie nur mäßig Erfolg, wenn der Patient keinen Willen hat, nicht einsichtig ist oder seinen Aufenthalt als Strafe ansieht. Neben dieser Erfahrung des gezwungenen Aufenthalts in der Klinik, habe ich mit 16 Jahren erneut die Auflage erhalten, mich einer Therapie zu unterziehen. Diesmal vom Jugendamt. Ich ging mit 15 dorthin, um mir Hilfe zu holen, da ich es zu Hause mit dem Mann meiner Mutter nicht mehr aushielt. Nachdem ein Jahr lang eine Sozialpädagogische Familienhilfe zu uns nach Hause kam und keine Besserung eintrat, äußerte ich den dringenden Wunsch auszuziehen. Das Jugendamt wollte dem nur zustimmen, wenn ich mich in psychotherapeutischer Behandlung begeben würde. Also begab ich mich wieder in eine (für mich) gezwungene Therapie. Auch hier konnte mir nicht wirklich geholfen werden, denn ich sah diese Sitzungen als Zwang an, war nicht ehrlich und behielt viel für mich. Hätte ich das damals als Chance gesehen, um mein Leben zu verbessern, wäre ich ehrlich gewesen und hätte mich getraut, die wirklich wichtigen Dinge zu erzählen, hätte ich höchstwahrscheinlich früher meine Diagnose bekommen und hätte mir früher gezielte und auf mich zugeschnittene Hilfe holen können. Das hätte mir vielleicht einiges erspart.

Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte ist, dass eine gelungene Psychotherapie von vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist und nicht nur der Patient, sondern auch sein Therapeut und Umfeld stimmen muss.

In unserem Gesundheitssystem muss sich also in Bezug auf die Psychotherapie einiges verbessern. Wir müssen mehr Therapeuten zur Verfügung haben, sodass die Wartezeiten für Therapieplätze nicht mehr so lang sind und wir nicht mehr gezwungen sind, den nächstbesten Therapeuten aus Verzweiflung zu nehmen. Wir sollten die Möglichkeit haben, genau abwägen zu können, welcher Therapeut mit welcher Ausbildung am besten zu uns passt. Schließlich gehen wir mit einem gebrochenen Bein ja auch zu einem Facharzt unseres Vertrauens. Die Wahl des richtigen Therapeuten ist unglaublich wichtig für den Erfolg der Therapie, denn ein schlechter Therapeut kann die Grundverfassung des Patienten erheblich verschlechtern.

* In diesem Artikel beschrieb ich einen Therapeuten, der mir empfahl wieder schnell zu essen, denn umso schneller könne ich auch wieder nach Hause. Das führte dazu, dass ich zwar wieder aß, aber nun anschließend alles heimlich erbrach.

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