Therapeuten (-fehler)

Die Wahl des Therapeuten bei einer psychischen Erkrankung oder überhaupt psychischen Problemen ist unglaublich wichtig. Leider gibt es nicht genügend Therapeuten, sodass Menschen mit psychischen Erkrankungen häufig über ein halbes Jahr und länger auf einen Therapieplatz warten müssen* – eine verdammt lange Zeit, wenn der Betroffene zum Beispiel unter Depressionen leidet und eventuell sogar Suizidgedanken hat. Der Leidensdruck solcher Problematiken kann unter Umständen dazu führen, dass sich die Person dazu entschließt, einen Therapeuten aufzusuchen, der nicht wirklich zu ihm passt, ob nun von der Ausbildung her oder von der Sympathie her. Beides ist für eine gelungene Therapie aber unabdingbar. Mit beiden Gegebenheiten habe ich meine Erfahrungen gemacht. So habe ich beispielsweise eine Therapie bei einer ärztlichen Psychotherapeutin begonnen, bei der ich schnell bemerkt habe, dass sie mit meiner „Geschichte“ an ihre eigenen Grenzen kam; ich habe in den Gesprächen gemerkt, wie sie selbst betroffen wurde, nicht wusste, was sie sagen sollte und es kam zum Schweigen. Das war für mich sehr schwer auszuhalten, weil ich anderen Menschen ungern Unbehagen bereite. Dementsprechend fällt es mir zum Beispiel oft schwer, Wünsche abzulehnen, wenn sie bei mir Unwohlsein verursachen und somit gehe ich viel zu oft über meine eigenen Grenzen und Wünsche hinaus, um mein Gegenüber nicht zu enttäuschen. Dadurch war es für meine Therapie natürlich kontraproduktiv, eine Therapeutin zu haben, die mit meiner Geschichte anscheinend gefühlsmäßig überfordert war…

Auch der Sympathieaspekt hat große Bedeutung. Immerhin vertrauen wir diesen Therapeuten unser tiefstes Inneres an. All unsere schlimmsten Erlebnisse, die uns geprägt haben, uns zu dem gemacht haben, was wir sind und wofür wir uns teilweise schämen oder sogar selbst die Schuld geben. Wenn uns unser Therapeut dann unsympathisch ist, fällt es natürlich schwer, diese Dinge von uns Preis zu geben. Das kennen alle Menschen: Überall lernen wir andere Menschen kennen. Sind sie uns sympathisch, kommen wir leicht ins Gespräch und können uns gut unterhalten. Sind sie uns unsympathisch, verlaufen Gespräche schleppend und es entstehen kalte Pausen. Auch diese Erfahrung habe ich bei meinem Weg durch die Therapeutenlandschaft gemacht. Ebenso wie die Kombination aus beidem: Fragwürdige Fachlichkeit gepaart mit absoluter Antipathie. Das Ergebnis ist eine Therapie, die absolut nichts gebracht hat oder wie in meinem Fall, meine bisherigen etwas positiv umstrukturierten Glaubenssätze wieder ins Negative verrückt hat. Jahrelang habe ich mir die Schuld an meiner Geschichte gegeben. Jahrelang habe ich mich geschämt, konnte mit niemanden darüber sprechen. Selbst meinem Mann habe ich es drei Jahre lang verschwiegen und ein Lügenkonstrukt aufgebaut. Erst dann habe ich den Mut gefunden, ihm alles offen und ehrlich unter Tränen zu gestehen. Ich hatte damit gerechnet, dass er sich trennt, dass er mich abscheulich finden würde. Stattdessen hat er mich getröstet und mir immer wieder gesagt, dass es nicht meine Schuld sei, dass ich nichts dafür könne. Auch in meiner DBT und einer Fortbildung lernte ich diese Seite der Betrachtung kennen und konnte langsam begreifen, dass ich tatsächlich ein Opfer bin. Nach der DBT geriet ich dann an einen Therapeuten, der mir diese positiven Glaubenssätze wieder ein Stück weit zu Nichte machte, indem er tatsächlich die Meinung vertrat, dass ich das ja auch so wollte. Solche Äußerungen können ziemlich gefährlich sein. Hätte ich damals nicht meinen Mann gehabt, der – als er hörte, was besagter Therapeut gesagt hatte – fast ausflippte und meinte, das sei absoluter Quatsch, weiß ich nicht, wie ich damit umgegangen wäre…

* Ein interessanter Artikel hierzu: Schwerkrank und allein gelassen: Therapeuten-Mangel gefährdet Menschenleben

Fortsetzung folgt

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