The same procedure as last time? The same procedure as…

Es ist später Nachmittag. Ich fühle mich erschöpft und ausgelaugt, habe Kopfschmerzen. Leere. In mir breitet sich unfassbare Leere aus. Ich war noch nicht duschen, konnte mich noch nicht anziehen. Mein Hund konnte ich lediglich in den Garten lassen, denn raus gehen ist undenkbar. Heute ist wieder so ein Tag. Ein Tag, an dem ich nichts schaffe. Nicht mal etwas gegessen habe ich bisher. Wie auch? Ich bin die ganze Zeit damit beschäftigt, mein kleines Bündel Leben zu beruhigen. Er weint und schreit fast ununterbrochen, egal was ich tue. Stundenlang laufe ich mit ihm im Tragetuch und dem Staubsauger (weißes Rauschen beruhigt Babys) durch die Wohnung. Zwischendurch schläft er mal etwas. Dann geht es von neuem los. Ihn ablegen? Fehlanzeige. Mittlerweile bin ich an meine absolute Grenze gestoßen. Ich schreibe meinem Mann, er möchte bitte nach Hause kommen, ich kann nicht mehr. Das ist nicht das erste Mal. Meine Zeit als frisch gebackene Mama habe ich mir anders vorgestellt. Ein glücklich glucksendes Baby, mit dem ich voller Stolz ständig spazieren gehe, weil ich der ganzen Welt zeigen will, wie wundervoll mein Baby ist. Stattdessen schaffe ich es häufig nicht einmal vor die Haustür. Mein Baby ist ein Schreibaby …

„Als ein Schreibaby gilt ein Säugling, der täglich mehr als drei Stunden an mindestens drei Tagen der Woche über mehr als drei Wochen aus unerklärlichen Gründen schreit und sich kaum beruhigen lässt“(https://www.t-online.de/leben/familie/baby/id_57565082/schreibaby-wann-ist-ein-kind-ein-schreibaby-.html Stand: 31.01.2019).

Ich schaffe es einfach nicht, mein Baby glücklich zu machen. Es zu beruhigen. Ich versage. Ich bin doch keine gute Mutter. Ich muss aufgeben und meinen Mann um Hilfe bitten. Ich brauche Entlastung… Sobald er von der Arbeit zurück ist, drücke ich ihm das schreiende Bündel in die Arme und gehe. Ich brauche eine Pause. Ruhe. Vor allem Ruhe. Aussagen aus meinem Umfeld diesbezüglich machen meine Schuldgefühle nicht besser. Zum Beispiel sagte die Kursleiterin der Babymassage zu mir, ich sei viel zu unruhig mit meinem Sohn, deshalb schreie er so viel. Natürlich bin ich unruhig, wenn er so viel weint und ich ihn einfach nicht beruhigen kann. …

Ich habe sowieso schon ein Problem mit meinem Selbstwert. Ich wollte unbedingt eine gute Mutter sein. Und nun schaffe ich es nicht mal, mein Baby zu beruhigen…

Mein zweiter Sohn war genauso. Vielleicht sogar noch etwas anstrengender. Aber da kannte ich es schon. Ich wusste, irgendwann wird es besser. Ich muss nur durchhalten, was nicht gerade einfach ist, denn nebenbei musste ich mich noch um ein Kleinkind kümmern. Auch bei meinem zweiten Sohn komme ich häufig an meine Grenzen, rufe meinen Mann an, dass ich Unterstützung brauche. Als es langsam besser wird mit meinem zweiten Sohn, da empfiehlt mir die Kursleiterin des Babyschwimmens (die übrigens die gleiche Frau ist, die mir bei meinem 1. Sohn sagte, ich sei zu unruhig) mit meinem Sohn zur Schreiambulanz zu gehen. Also ist es doch keine Einbildung? Er schreit wirklich viel? Zu viel? Mehr als andere? Ich verwerfe den Gedanken trotzdem, denn es wird ja langsam besser. So war es bei meinem großen Sohn ja auch. Um den 1. Geburtstag herum wurde es besserEntspannung macht sich langsam breit …

Nun steht meine 3. Geburt unmittelbar bevor. Demnächst werde ich also wieder ein kleines Bündel Leben in meinen Armen halten und ich frage mich, ob es wieder ein Schreibaby sein wird…. Anspannung macht sich breit … Ob ich dieser Herausforderung noch einmal gewachsen sein werde, während ich mich zudem noch um zwei weitere Kinder kümmern muss? Ob ich wohl wieder das Gefühl haben werde, zu versagen? Als Mutter. Ich kann mein Baby nicht beruhigen. Es weint und schreit sich die Seele aus dem Leib und ich kann ihm einfach nicht helfen… Das tut sehr weh. Nicht nur, dass das permanente Schreien selbst schon extrem am Gemüt zerrt, auch die negativen Gedanken, die ich über mich selbst deshalb entwickle, sind schwer auszuhalten. Wenn der Punkt erreicht ist, an dem ich merke, ich kann nicht mehr, wenn ich um Hilfe bitten muss, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß und kann, dann ist mein Tag komplett gelaufen. Ich fühle mich wie die größte Versagerin. Was soll ich bitteschön für eine Mutter sein, wenn ich mein Kind nicht beruhigen kann, an meine Grenzen stoße und Hilfe brauche? Vielleicht hätte ich nie Kinder bekommen dürfen…

Und nun liege ich in unserem großen Familienbett. Rechts und links von mir jeweils ein kleines Bündel Leben. Sie haben sich beide eng an mich gekuschelt, so wie jeden Abend. Ich höre sie ruhig und tief atmen. Gleichmäßig ist ein leises schnarchen zu vernehmen. Sie sind nach einem langen Tag eingeschlafen. Ich genieße diese enge Verbundenheit, diese Zärtlichkeit mit meinen Söhnen. Sie schreien sich schon lange nicht mehr in den Schlaf, sondern lassen sich liebevoll von mir in den Schlaf begleiten. Bald wird wieder alles anders sein. Bald kommt noch ein Bündel Leben hinzu und keiner der beiden Großen möchte natürlich für das Baby Platz machen. Ich frage mich, wie es wohl werden wird als dreifach-Mama. Ob und wie ich alles schaffen werde…

1 Kommentar zu „The same procedure as last time? The same procedure as…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close