Borderline-Mama – Tolles Vorbild … ?!

Es gibt Momente mit meinen Kindern, da denke ich, oh nein, bitte nicht, sei nicht so, wie ich es bin. Eine typische Situation hierfür ist zum Beispiel, wenn mein Sohn etwas baut und es nicht gleich so klappt, wie er es sich gedanklich vorgestellt hat. Dann wird er wütend, meckert „oh man, ich flippe gleich aus!“ und fängt häufig an zu weinen. Auch beim Basteln, Malen oder Ähnlichem passiert so etwas. Oft ist diese Wut, dass etwas nicht so klappt, wie er es sich vorgestellt hat, auch von tiefer Traurigkeit begleitet. Er ist von sich selbst enttäuscht und in der nächsten ähnlichen Situation meint er dann, er könne das gar nicht. Das tut mir wahnsinnig weh. Immer wieder erkläre ich ihm, dass Kinder die Dinge erst lernen müssen, so wie das Sprechen, Laufen oder mit Besteck essen. Wir müssen viele Dinge immer und immer wieder tun, bis wir sie beherrschen, auch wir Erwachsenen. Zwar versteht er das, doch seine Gefühle sind in dem Moment natürlich trotzdem da – ich kenne das ja nur allzu gut. Sie sind heftig und übermannen ihn ebenso wie mich.

Das Kind ist biologisch darauf angelegt, sein Verhalten nach Vorbildern auszurichten.“ (Largo 2013: S. 267)

Meine Söhne erleben mich natürlich in meinen extremen Gefühlszuständen. Auch bei mir reichen „Kleinigkeiten“ in den Augen der anderen aus, um meine Welt zusammen brechen zu lassen. Vor Weihnachten haben wir beispielsweise die Haare unserer Kinder mit der Schneidemaschine geschnitten. Bei unserem Jüngsten klappte alles reibungslos, doch als wir das Gerät bei unserem Großen ansetzten, wurde es kurz … sehr kurz … viel zu kurz! Das war ein Weltuntergang für mich, denn ich bevorzuge es, wenn die Haare der Jungs etwas länger sind und sie nicht den typisch standardisierten Millimeterhaarschnitt haben. Ich übergab also verzweifelt meinem Mann die Maschine und flüchtete weinend aus dem Badezimmer. Und ich konnte mich einfach nicht beruhigen. Ich weinte und weinte. Und weinte immer mehr, weil ich mich so ärgerte, dass ich nicht aufhören konnte zu weinen, denn ich wollte meinem Sohn nicht vermitteln, dass ich ihn nun nicht mehr schön finden würde. Doch es tat mir so leid um die Haare, seine schönen langen Haare…

Ich bin also ein Vorbild für meine Kinder. Ein „schönes“ Vorbild wie mir scheint… mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung… emotional instabil. Doch trotz meiner Erkrankung versuche ich meinen Kindern durch meine bedürfnisorientierte Erziehung* so viel Liebe, Geborgenheit, Schutz und Glück mit auf den Weg zu geben, dass sie immer Vertrauen zu mir haben können. Sie sollen nicht denken, ich habe sie nur lieb, wenn sie etwas leisten, wenn sie der gesellschaftlichen Norm entsprechend handeln oder sie tun, was andere von ihnen erwarten. Ich möchte sie als Person sehen, so wie sie sind. Dazu gehören sicherlich auch extreme emotionale Gefühlsausbrüche, schließlich sind es Kinder. Kinder einer Borderline-Mama.

* Wenn du das Thema bedürfnisorientierte Erziehung interessant findest, könnte Nicola Schmidts Buch artgerecht – Das Kleinkinderbuch“ interessant für dich sein.

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