Grenzen – los

Grenzen setzen ist ein wichtiges Thema, nicht nur für Borderliner. Es wird auch ausgiebig in der DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie) behandelt. Und obwohl ich vor vielen Jahren diese Therapie gemacht habe, ist es für mich persönlich auch heute noch sehr schwer, auf meine Grenzen zu achten. Viel zu oft tue ich Dinge, bei denen ich kein gutes Gefühl habe, nur um es anderen recht zu machen, andere glücklich zu machen. Das reicht bis weit in meine Kindheit zurück. „Nein“ sagen konnte ich schon früher nicht und auch heute fällt es mir einfach zu schwer. Durch die DBT habe ich aber zumindest gelernt, bei diesem Thema achtsamer zu sein. Das ist der erste Schritt, darin besser zu werden. Ich frage mich dann also, ob das wirklich für mich in Ordnung ist, oder ob es eigentlich meine (physischen und/oder psychischen) Grenzen überschreitet. Häufig scheitere ich leider dennoch daran, meine Grenzen wirklich zu wahren und gehe darüber hinaus.

Meinen Kindern versuche ich ebenfalls eindringlich zu vermitteln, dass sie ihre eigenen Grenzen wahren sollen. Das bedeutet für meine Jungs: Sie müssen niemanden küssen, umarmen oder Hände schütteln, wenn sie es nicht wollen – auch ihre Großeltern oder mich nicht. Es ist ihr Körper und sie selbst dürfen entscheiden, was ihnen lieb und was ihnen nicht lieb ist. Meine eigenen Erfahrungen möchte ich meinen Kindern auf jeden Fall ersparen. Sie sollen von klein auf lernen, dass ihre Grenzen wichtig sind und ernst genommen werden. Vor Weihnachten ergab sich jedoch leider eine Situation, die mir das Herz gebrochen hat und woran ich noch heute nur schmerzerfüllt zurück denken kann, ebenso wie mein Sohn. Er bekam eine schlimme Penisentzündung und wir mussten eine Woche lang seinen Penis mehrfach täglich behandeln, was natürlich gerade am Anfang extrem schmerzhaft für ihn war. Er weinte und äußerte deutlich seine Form vonhalt stopp, ich möchte das nicht“, ganz so, wie wir es geübt haben, er teile mit, dass es ihm weh tut und versuchte sich zu schützen. Und ich kniete vor ihm, völlig verzweifelt und aufgelöst, weil ich über seine körperlichen Grenzen hinaus gehen musste. Eine Erfahrung, die auch ich nur zu gut kenne, welche mich überaus hilflos gemacht hat. Natürlich habe ich ihm immer wieder erklärt, dass wir das machen müssen, damit es ihm wieder besser geht und er keine Schmerzen mehr hat, doch für ihn waren nur die tatsächlichen Schmerzen in der Situation vorhanden, als ich die Behandlung durchführen musste, als ich seine Grenzen nicht respektieren konnte. Selbst jetzt, nach über drei Wochen fühle ich den Schmerz, die Hilflosigkeit und Verzweiflung, meinerseits aber auch seinerseits. Dass ich so massiv über seine Grenzen gehen musste, hat sich bei ihm fest verankert: Ich darf nicht ansatzweise in die Nähe seines Penis‘ kommen und in jeglichen Situationen, die ähnlich sind, teilt er mir mit, dass ich ihm nicht mehr weh tun soll. Das tut mir wahnsinnig leid und weh. Ich hoffe sehr, dass er diese schlimme Erfahrung bald vergessen kann und vor allem, dass ich nie wieder so massiv die Grenzen meiner Kinder überschreiten muss.

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