Gefühle – Kommt, wir fahren Achterbahn

Meine Schwangerschaft neigt sich langsam dem Ende zu und meine Gefühle fahren mehr und mehr Achterbahn. Ich erwarte mein 3. Kind und wenn es nach meinem Mann geht auch das letzte Kind. Das ist für mich – und wahrscheinlich auch für viele andere Frauen – eine besonders schwierige Situation: Ich muss mich damit auseinandersetzen und abfinden, dass ich das letzte Mal das Wunder der Schwangerschaft genieße (und dieses Mal kann ich es wirklich genießen, im Gegensatz zu meinen letzten beiden Schwangerschaften); die Bewegungen, den Schluckauf, das stetige Wachsen meines Babys in meinem Bauch. Ich werde das letzte Mal ein Kind in die Welt setzen und das Wunder der Geburt erleben. Im Interview mit Spiegel Online hat Martin Bohus meine momentane Gefühlssituation sehr treffend beschrieben: „Ganz häufig sind dies ausgesprochen hypersensible Menschen, deren emotionales System in allen Bereichen deutlich intensiver arbeitet. Die Gefühle werden leicht ausgelöst, sind extrem stark und halten lange an.“ (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/borderline-gefuehlsleben-wie-ein-wilder-araberhengst-a-1173464.html, Stand: 07.01.2019)

Ich kann meinen Mann verstehen, dass ihm drei Kinder reichen – zwei sind schon jetzt sehr anstrengend und ich selbst habe Angst, dem Alltag mit drei Kindern nicht gerecht werden zu können. Und doch ist mein Kinderwunsch noch nicht abgeschlossen. Seitdem mein Mann meine penetrante Meinung, ich wolle weder heiraten noch Kinder bekommen, geändert hat, war der Wunsch vorhanden eine Großfamilie zu gründen, statt nur – wie so viele – zwei Kinder zu bekommen.

Ich denke, dieser Wunsch stammt daher, dass ich selbst in meiner Kindheit keine Familie hatte. Sicherlich habe ich einen Bruder, eine Mutter, es waren eine Tante, ein Onkel, ein Cousin und eine Oma da, doch spätestens als sich meine Mutter von meinem Vater trennte und von jetzt auf gleich mit uns Kindern zu ihrem neuen Mann in ein fremdes Bundesland, in ein fremdes Dorf in ein fremdes Haus zog, änderte sich alles. Meine Oma konnte ich nun nur noch in den Ferien besuchen, sie und auch meine Tante und Onkel kamen uns sporadisch besuchen, doch es wurde immer weniger. Der Kontakt zu meinem Vater wurde sofort komplett eingestellt und die Beziehung zu dem neuen Mann meiner Mutter war äußerst schwierig. Mir fehlte ein richtiges Familienleben.

Nun möchte ich das nachholen; möchte meinen Kindern das geben, was mir selbst fehlte. Dabei stoße ich leider sehr häufig an meine Grenzen, weil ich mich selbst unter Druck setze. Ich möchte alles perfekt machen, es allen recht machen und vergesse dabei häufig mich selbst. Nun kommt ein weiteres Baby in unseren Familienkreis, welches ganz viel Liebe und Nähe benötigt und meine zwei Söhne dürfen natürlich auch nicht zu kurz kommen. Die Gedankenspirale beginnt und die Achterbahn der Gefühle fährt einen Looping nach dem anderen: Werde ich alles schaffen? Werde ich es gut genug schaffen? Wird es wieder ein Schreibaby? Was mache ich, wenn ich wieder an meine Grenzen komme? Kann ich allem gerecht werden? Und doch liebe ich dieses kleine Wesen in mir drin schon jetzt abgöttisch und kann den Tag fast nicht erwarten, an dem es zu uns kommt. Die Angst vor dem Versagen wechselt mit den Glücksgefühlen und das ist schwierig auszuhalten.

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